Windpark Lindenberg: Windräder töten nur wenige Fledermäuse

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Ohne Schutzmassnahmen könnten bis zu 50 Fledermäuse pro Jahr an einer Windenergieanlage verunfallen. Dies hält «Swild», eine unabhängige Forschungs- und Beratungsgemeinschaft, fest. Foto: René Guettinger

Kommen Fledermäuse durch die Rotorblätter einer Windanlage um? Werden Vögel getötet? Es gibt viele Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor ein Windpark Lindenberg konkret in die Planung geht.
Eine scheint geklärt: Mit Blick auf Fledermäuse und Zugvögel gibt es keine grundsätzlichen Einwände gegen das Projekt. Zur Minderung der Konflikte mit Fledermäusen wird von Fachleuten ein Abschaltplan empfohlen, der Jahreszeit, Windgeschwindigkeit und Temperatur berücksichtigt.

Im Rahmen des Interessengruppenprozesses zeigte Fabio Bontadina von «Swild», einer unabhängigen Forschungs- und Beratungsgemeinschaft, welche Fledermausuntersuchungen seit 2015 vorgenommen wurden. Sie stellte erste Resultate vor, die zeigen: Ohne Schutzmassnahmen könnten bis zu 50 Fledermäuse pro Jahr an einer Windenergieanlage verunfallen.

Um herauszufinden, welche Fledermausarten im Projektgebiet leben, wurden Ultraschallaufnahmen gemacht. Es wurden dazu Hörpunkte im geeigneten Lebensraum mit weniger als 500 Metern Distanz zu den geplanten Windenergieanlagen eingerichtet. Die am Boden aufgenommenen Sequenzen konnten zu einem Drittel direkt Fledermausarten zugeordnet werden. Die Rufe waren zu 56 Prozent von Zwergfledermäusen, 5 Prozent Gattung von Mausohren und 1 Prozent von Rauhautfledermäusen. Die Dauermessung vom 12. April bis 31. Oktober 2015 auf 88 Metern am Messmast umfasste die drei Saisons, in denen ziehende und lokale Fledermäuse erfasst werden können.
Die provisorischen Auswertungen der Studie zeigen insgesamt rund 1140 Durchflüge. Dies entspricht einer mittleren Aktivität oder rund 8 bis 10 Durchflügen pro Nacht. Die Fledermausaktivität setzte ab etwa fünf bis acht Grad Celsius ein, 75 Prozent der Aktivitäten fanden bei Windgeschwindigkeiten unter 5 m/s statt.

Vögel wenig betroffen
Entwarnung gibt eine Vorabklärung der Vogelwarte Sempach: Das Konfliktpotenzial für die Brut- und Gastvögel wird für den Windpark Lindenberg als gering eingeschätzt. Die Vogelwarte Sempach hat im Auftrag der Projektentwickler im Jahr 2011 auf Basis ihrer Datenbank Vorabklärungen zum Einfluss des Windparks Lindenberg auf die Brut- und Gastvögel gemacht. Die Abfrage berücksichtigt die gemeldeten Beobachtungen aus den Jahren 1990 bis 2010 für den ganzen ursprünglich in der Richtplanung Aargau und Luzern ausgeschiedenen Perimeter. Diese Vorabklärungen bilden, so Hans Buser, Biologe und Vogelgutachter bei der Nateco AG, zuständig für die Untersuchungen zu Brut- und Gastvögeln, eine detaillierte und auf die lokalen Verhältnisse zugeschnittene Beurteilungsgrundlage. Die Vogelwarte identifizierte aufgrund ihrer Daten im Gebiet Lindenberg acht Vogelarten (Weissstorch, Rotmilan, Schwarzmilan, Habicht, Sperber, Mäusebussard, Baumfalke und Feldlerche), die Windkraftanlagen gegenüber als sensibel gelten.

Die Vogelwarte Sempach hat 2017 in Peuchapatte JU eine Studie zum Vogelschlag an einem bestehenden Windpark mit drei Windkraftanlagen (82 m Rotordurchmesser, 150 m Gesamthöhe) durchgeführt. Die Studie sei zwar nicht direkt vergleichbar mit der Situation im Mittelland, gebe aber einen fundierten Einblick in das Thema Vogelschlag. Insgesamt zogen 1,65 Millionen Vögel über den Windpark. Die Schlagopfer wurden gesammelt und gezählt. Unter Berücksichtigung der Vogelverluste durch Raubtiere und der nicht gefundenen Opfer wird davon ausgegangen, dass der Windpark je Windkraftanlage zwischen 15 und 32 Schlagopfer (20 im Median) forderte. Dies entspricht 0,004 Prozent bis 0,008 Prozent der Vögel, die über den Windpark zogen.

Der Interessengruppenprozess, der im Rahmen der Entwicklung des Windparks Lindenberg gestartet wurde, hat den Zweck, einen Austausch zwischen den diversen Interessen, der Bevölkerung, Experten und den politischen Behörden zu gewährleisten.

«Vögel werden erschlagen, Fledermäuse sterben elendiglich»

Anders beurteilt der Verein Pro Lindenberg die Situation: «Im Gegensatz zu den Vögeln, die von den Rotoren der Windkraftanlagen erschlagen oder verstümmelt werden, sterben die Fledermäuse elendiglich aufgrund von inneren Verletzungen, die vom Luftdruck der mit über 300 km/h rotierenden Flügelspitzen entstehen. Die empfindlichen Organe und Blutgefässe platzen unter diesem Druck, und die Fledermäuse verenden irgendwo in der näheren oder weiteren Umgebung der Windkraftanlagen. Eine Schadensabschätzung ist daher extrem schwierig.» Die geplanten Windkraftanlagen würden zudem mit Sicherheit eine Bedrohung für die geschützten Vogelarten darstellen, hält der Verein auf seiner Website www.prolindenberg.ch fest. «Vermutlich werden, wenn dieses Projekt bewilligt wird, keine Greifvögel mehr auf dem Lindenberg sesshaft sein.» Am 30. Mai, 19.30 Uhr, führt der Verein sein nächstes Forum im Restaurant Horben in Beinwil durch. Darin geht es um Fauna und Flora auf dem Lindenberg. Leider seien diese Naturschätze in den offiziellen Verzeichnissen der Behörden nur unvollständig aufgeführt, «und es bedarf unserer Aktivität, diese Verzeichnisse von Vögeln, Fledermäusen und dem Wild mit unseren persönlichen Beobachtungen zu erweitern und zu ergänzen.»

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